Schauplatzwechsel
Die Schauplatzwechsel werden durch bewegliche Wände (Bühne: Olaf Altmann) und die eingeblendeten Ortsnamen angezeigt.
Burgtheater-Hausherr Stefan Bachmann hat zügig und mit viel Gefühl für spannende Szenen inszeniert, die allgemeine Verwirrung kann auch er nicht auflösen.
Beeindruckend ist Thiemo Strutzenberger in der Hauptrolle, der zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten seiner Figur in Höchsttempo wechselt. Melanie Kretschmann als zwischen Aggressivität und liebevoller Zuneigung wechselnde Schwester und Markus Hering als einmal schüchterner, dann wieder liebevoller großer Bruder sind ebenfalls sehr stark. Auch wirklich gut: Martin Reinke als zum Sterben entschlossener Vater.
Am interessantesten ist vielleicht das Geschehen in Texas. Seit 33 Jahren sitzt Malik wegen eines – nicht näher erklärten – Doppelmords im Gefängnis. Ausgerechnet der Mann, den der Mörder als Baby verschont hat, setzt sich jetzt für seine Rettung ein.
In Paris geht es wieder darum, Bäume davor zu retten, gefällt zu werden. Malik ist hier ein Trompete spielender Taxichauffeur, der Aktivisten als Fahrer dient.
Prostituierte
In Kanada ist Malik ein schwuler Künstler, der eine Kritikerin in die Wade beißt. In Italien findet er sich als eitler Chirurg wieder, der seine Zeit lieber mit minderjährigen Prostituierten verbringt als mit seinen Kindern.
Am Ende bekommen wir noch mathematische Nachhilfe: Die Wurzel aus zwei ist irrational, und so ist auch das Leben.
Stefan Bachmann hat nach Leibeskräften versucht, diesem komplexen, aber auch wirren Text Struktur zu geben.
Dennoch ertappt man sich als Zuschauer immer wieder bei dem Gedanken: Ich kenne mich nicht aus, ich würde jetzt gerne ein paar Minuten Pause machen und ein wenig nachdenken. Dass Theater sein Publikum herausfordert, ist ja durchaus richtig, aber wenn man nicht mehr mitkommt, beginnt man sich zwangsläufig zu langweilen.
Gespielt wird, wir erwähnten es, wie immer am Burgtheater sehr gut. Aber auch das gute Spiel kann den merkwürdigen Abend nicht aus der Verwirrung heben.
Jubel
Am Ende, nach gut dreieinhalb sehr anstrengenden Stunden, gibt es großen Jubel vom erleichterten und mit sich selbst zufriedenen Publikum.
Wie sich die Inszenierung im Abonnement machen wird, bleibt abzuwarten.
KURIER-Wertung: Drei von fünf Sternen.