Startseite Kultur Der Überfall von Robin Hood auf die Bregenzer Festspiele

Der Überfall von Robin Hood auf die Bregenzer Festspiele

von Max

Andi Babler hat Chuzpe: Da zieht sich der Kulturminister (SPÖ) den Zorn der Bregenzer Festspiele zu, weil er die Subventionsbremse bei voller Fahrt zog, und trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, heute, Mittwoch, bei der Eröffnung des Festivals zu reden. Er will die immer weiter klaffende Schere zwischen reich und arm thematisieren: „Es ist eine schlechte Nachricht für unsere Demokratie, dass die Vermögensverteilung in den westlichen Industrieländern heute eher an das absolutistische Frankreich erinnert als an die vergleichsweise egalitären 1960er-Jahre.“

Man kann sinnieren, warum er die 1960er erwähnt (mit einer Alleinregierung der ÖVP unter Josef Klaus) und nicht die 70er, als Bruno Kreisky echte sozialdemokratische Politik machte. Aber Babler will, denkt sich Ihr Tratschpartner, ohnedies etwas anderes ausdrücken: Es braucht Solidarität. Auch im Kulturbereich.

Ein Exempel statuierte er eben bei den Bregenzer Festspielen, die äußerst solide wirtschaften und daher eine gesetzlich vorgeschriebene Reserve haben: In der Mai-Sitzung des Kuratoriums kündigten die Vertreter des Bundes an, die Subvention heuer und 2026 um je 50 Prozent zu kürzen. „Ohne Vorwarnung und ohne Ankündigung“, wie Festspielpräsident Hans-Peter Metzler zu den Salzburger Nachrichten sagte: „Wir empfanden das als Überfall.“

Zumal das Budget 2025 längst abgesegnet worden war. Und die anderen Subventionsgeber, also Bregenz und Vorarlberg, aufgrund des fixen Förderschlüssels mitziehen mussten. Die Sitzung sei daraufhin unterbrochen und vertagt worden. In den nächsten vier Wochen wurden die 50 Prozent auf ein Drittel runterverhandelt. Aber auch eine Kürzung um „nur“ 2,1 Millionen Euro ist schwer zu verdauen. Zumal die Subvention seit 13 Jahren eingefroren war – trotz happiger Inflation. Babler hätte jeden Protest abgeschmettert: Die Festspiele könnten sich das leisten, „breite Schultern müssen das tragen“.

Babler schnitt sich mit der Aktion als politisch Verantwortlicher für die Bundestheater auch ins eigene Fleisch. Denn die Festspiele erkauften sich heuer die erste Nacht einer Burg-Produktion (die Uraufführung „bumm tschak“ am Freitag). Darauf verzichten sie 2026.

Und leider: Babler, der bereits die Filmbranche gegen sich aufbrachte, ist kein Robin Hood der Kulturpolitik. Jüngst wurde bekannt, dass er es den Ärmsten nimmt. Denn er kürzte die Laufzeit der Literaturstipendien von zwölf auf zehn Monate. Ersparnis: 3.000 Euro pro Stipendiat. Die Folge: Die Literaten werden sich wehren. Und die sind wortgewaltiger als Babler, der Abertausende Euro für externe Berater ausgibt.

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