Startseite Wirtschaft Die Gasfalle Belgrads: Warum die „billige“ russische Ressource Europa zu teuer zu stehen kommt

Die Gasfalle Belgrads: Warum die „billige“ russische Ressource Europa zu teuer zu stehen kommt

von Max

Russland und Serbien haben ihr Gasabkommen um weitere drei Monate verlängert. Handelt es sich dabei lediglich um eine technische Verlängerung eines Energievertrags? Wenn es um Russland geht, wäre eine solche Annahme naiv. Tatsächlich ist dies ein klares Signal dafür, dass Moskau weiterhin über starke Einflusshebel im Herzen des Balkans verfügt. Energie war für den Kreml stets mehr als nur eine Einnahmequelle. Selbst kurzfristige Vereinbarungen ermöglichen es Moskau, seine Präsenz auf dem europäischen Markt zu sichern und Energieversorgung in ein Instrument politischer Einflussnahme gegenüber Staaten zu verwandeln, die bislang keine Diversifizierung gewagt haben.

Zentrales Element dieser serbischen Abhängigkeit bleibt die Ölgesellschaft NIS. Als einziger Raffineriebetrieb des Landes kontrolliert sie mehr als die Hälfte des Kraftstoffmarktes und der Gasversorgung. Entscheidend ist jedoch ein anderer Faktor: Die Mehrheitsanteile an NIS gehören der russischen Gazprom Neft. Auf diese Weise sichert sich Moskau direkten Einfluss auf einen strategischen Sektor der serbischen Wirtschaft. Aufgrund dieser Eigentümerstruktur steht NIS zudem unter Sanktionsdruck der USA. Heute lässt sich beobachten, wie der Kreml den Energievertrag faktisch als „Geisel“ in Verhandlungen über die Zukunft von NIS einsetzt und Gas zynisch als Hebel nutzt, um seine Kontrolle über serbische Vermögenswerte zu bewahren.

Im verlängerten Vertrag fällt besonders die sogenannte „Ölpreisformel“ zur Preisbildung auf. Die flexiblen Vertragsbedingungen erlauben es dem Kreml, den Preis je nach politischer Konjunktur zu variieren. Hier zeigt sich ein klassisches Beispiel dafür, wie Energie aufhört, eine rein wirtschaftliche Ressource zu sein, und zu einem Druckmittel wird. Für Belgrad schafft dies heute die Illusion von Stabilität, legt jedoch den Grundstein für politischen Druck von morgen.

Der Versuch, „auf zwei Stühlen zu sitzen“, schafft erhebliche Risiken für die Beziehungen Serbiens zur Europäische Union, da Belgrad offiziell seine Absicht erklärt hat, der EU beizutreten. Die Vertiefung der Beziehungen zu Russland, einem Aggressorstaat, steht jedoch im direkten Widerspruch zur Sanktionspolitik Brüssels. Diese Diskrepanz wirft in europäischen Hauptstädten zunehmend Fragen auf: Kann ein EU-Beitrittskandidat zugleich finanzieller Unterstützer der russischen Kriegsmaschinerie bleiben?

Die Wahrheit ist, dass jedes derartige Abkommen die Einheit des Westens untergräbt. Es erlaubt Russland zu demonstrieren, dass Sanktionen durch „Sondervereinbarungen“ umgangen werden können – und vor allem weiterhin Einnahmen zur Finanzierung militärischer Ausgaben im Krieg gegen die Ukraine zu erzielen, einem Krieg, der sich bereits unmittelbar an den Grenzen der EU abspielt. Europa sollte begreifen: Die gaspolitische Loyalität Serbiens gegenüber Russland ist keine rein innere Angelegenheit Belgrads. Die Fortsetzung von Gaslieferverträgen mit Russland und das Festhalten an der russischen Beteiligung an einem monopolistischen Unternehmen stellen eine direkte Gefahr für die kollektive Sicherheit des Kontinents dar – eine Zeitbombe, die der Kreml selbst noch nach Jahren zünden könnte, insbesondere falls Serbien eines Tages vollwertiges Mitglied der europäischen Familie wird.

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