Und doch gewinnt sie den Widrigkeiten in ihrer sympathisch überschwänglichen Art enorm viel Positives ab. Etwa, weil es jetzt die Vorstufe eines Schwiegersohns, einen „Schwiegerbuben“, gebe. Der Ehemann sei geradezu aufgeblüht. Endlich habe auch er jemanden zum Reden. Und Lydia Prenner-Kasper gesteht gerne ein, dass er von ihr und ihren drei Töchtern zumeist nicht artgerecht gehalten worden sei. Immerhin (das sagte sie nicht bei der Premiere am Montag im Orpheum): Als Hausmann hält er der Kabarettistin, die zuvor im Sozialbereich gearbeitet hatte, den Rücken für die Karriere frei.
Und so entstand, zumindest bis zur Pause, ein Programm, in dem die zentralen Themen geschickt miteinander verwoben sind. Denn Lydia Prenner-Kasper, 1982 in Favoriten mit einer großen Goschn geboren, hadert auch ein bisschen mit dem Älterwerden. Wenn die Irene – gertenschlank, aerobicgestählt, aber angeblich weit entfernt von schlüsselfertig – sie wenig dezent darauf hinweist, zugenommen zu haben. Da helfen dann der Trost vom Mann („Du bist ein Feldhamster, wichtig fürs Ökosystem“) und das Entsetzen der Töchter über das Bodyshaming der Irene: Sie sei doch eine „Ur-MILF“!
Winzig wie ein Shrimp
Prenner-Kasper, gehüllt in ein flatterndes Maxi-Kleid, habe MILF erst einmal googeln müssen: eine „Mutter, die man gerne vergenusswurzeln würde“. So die harmlose Übersetzung des sexistischen Begriffs. Möglicherweise hat sie bei der Suche nach einem Titel fürs Programm an Milfina, die Molkereimarke von Hofer, denken müssen. Er lautet trotzig „Haltbar-MILF“.
Es ist allerdings nicht immer super, als MILF begehrt zu werden: Prenner-Kasper kotzt sich derb über ihren Stalker aus, der ihr ein Penis-Bild schickte. Beim Anblick des Gemächts sei ihr die Idee gekommen, wieder einmal Shrimps-Curry zu kochen.
Im rasanten Redetempo ätzt sie auch über desperate Hausfrauen (die Solidarität ist nicht grenzenlos) und Freundinnen mit selten gefärbten Haaren samt Stinktier-Streifen. Natürlich geht es im Endeffekt um wahre Werte und die Liebe. Omas Weisheit lautet: „Schenk niemandem dein Herz, der eigentlich ein Hirn braucht.“ Die Politik lässt sie aus – abgesehen vom Hinweis, dass gute Stimmung dieser Tage wichtig sei. Wie wahr.